Schützen beweisen Zusammenhalt

Die Further Wintergaudi im Januar 2020 konnte noch ausgelassen gefeiert werden. Auch der anschließende Patronatstag stimmte auf ein unbeschwertes neues Schützenjahr ein. Bei der Generalversammlung im März stellte sich dann schon die Frage: „Sollen wir oder sollen wir nicht“. Sie fand noch statt, doch anschließend folgten Absage auf Absage – allen voran natürlich die des Schützenfestes an Pfingsten. Obwohl im Rückblick betrachtet das Bruderschaftsleben seit Frühling fast ausschließlich ruhte, war der Vorstand der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft immer zuversichtlich gestimmt. „Wir wollten lieber zu viel planen und es dann fallen lassen, wenn es nötig war, als nur die Hände in den Schoß zu legen“, sagt Präsident Jochen Hennen. Was allerdings bereits aus den Plänen für das neue Jahr gestrichen ist, sind die Wintergaudi und der Patronatstag. „Wir werden zum Patronatsfest nur mit einer Abordnung einen Gottesdienst feiern, der auch im Internet zu sehen sein wird“, kündigt Hennen an.

Ähnlich verfahren war die Bruderschaft bereits zu ihrem abgesagten Schützenfest an Pfingsten, als nur Vorstand, Königshaus und die führenden Vertreter der Korps eine Messe feierten. Bloß der Live-Stream funktionierte damals noch nicht. Dafür konnte eine andere Tradition online abgewickelt werden: Normalerweise findet am Schützenfestsonntag eine Hutsammlung statt, um Einrichtungen in der Nordstadt mit einer Spende zu unterstützen. „Wir haben stattdessen über die Korps einen Aufruf gestartet, dass die Schützen uns einen Betrag überweisen können, und haben dabei eine Summe erreicht wie bei der üblichen Hutsammlung“, berichtet Hennen. So konnten drei Organisationen mit jeweils 600 Euro unterstützt werden: Zum einen der Malteser Hilfsdienst, der mit seiner Wache in der Nordstadt direkter Nachbar der Further und auch ihres Kirmesplatzes ist. Ebenso wurde der katholische Seelsorgebereich Neuss-Nord als Heimatpfarrei der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft mit einer Spende bedacht. Der dritte Scheck ging an die Palliativstation des Johanna-Etienne-Krankenhauses. „Es ist eine Herzensangelegenheit für uns, die Station zu unterstützen, die auch sehr auf Spenden angewiesen ist“, sagt Präsident Hennen. In normalen Schützenjahren besucht eine Abordnung auch stets am Schützenfestmontag die Palliativstation und überreicht eine Spende zur Unterstützung der Arbeit dort. Die digitale Hutsammlung hat den festen Zusammenhalt auf Distanz zum Ausdruck gebracht. Ebenso, dass viele Schützen auch ohne Schützenfest ihren Regimentsbeitrag bezahlt haben, obwohl sie vielleicht durch Kurzarbeit oder als Selbstständige in der Corona-Krise wirtschaftliche Einschränkungen hinnehmen müssen. „Rund 90 Prozent der Schützen haben ihren Beitrag bezahlt“, so Hennen.

Diese Solidarität unter Further Schützenfamilie hat das Komitee der Bruderschaft so begeistert, dass es seinen Dank nicht nur in Worten ausdrücken wollte. Unter dem Motto „Lott ons zesaame ene drenke“ erhält jeder Further Schütze als kleines Präsent eine Flasche Bier mit einem besonderen Etikett, einen Ansteck-Pin und eine Dankeskarte gezeichnet vom Neusser Künstler Wilfried Küfen, die das Further Regiment vor der Pfarrkirche St. Josef zeigt. Wann ein persönliches Widersehen in großem Schützenkreise möglich ist, bleibt vorerst ungewiss. Natürlich war auch der Nikolausmarkt ein fester Termin für die meisten Schützen, um sich dort oft auch als Zuggemeinschaft zu treffen. Seit dem letzten Jahr ist die Bruderschaft aber auch Betreiber des Glühweinstands auf dem Markt, nachdem sich der vorherige aus Altersgründen von der Aufgabe zurückgezogen hatte. „Das hat super Spaß gemacht und ein weiteres Mal den guten Zusammenhalt gezeigt. Viele Schützen waren sofort bereit, beim Auf- und Abbau und beim Ausschank zu helfen“, erinnert sich Jochen Hennen.

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